Bibel & Welt

Lesung vom 20.08.2026 · Jer. 13

Jeremia 13 entfaltet eine eindringliche Warnung vor den Folgen von Hochmut, Abwendung und mangelnder Bereitschaft zur Umkehr. Diese biblische Botschaft lässt sich auf aktuelle Schlagzeilen und gesellschaftliche Dynamiken in Deutschland und Österreich übertragen, die von einer tiefen Verunsicherung und Spaltung geprägt sind.

Der verdorbene Leinenrock (V. 1-11): Gott bindet sein Volk einst eng an sich, damit es Ihm Ruhm, Lob und Zierde sei. Doch durch Hochmut und Abkehr wird es verdorben und unbrauchbar. Dies kann heute das Bild einer Gesellschaft sein, die sich, stolz auf ihre Errungenschaften und ihren Wohlstand, von ihren ethischen und moralischen Fundamenten entfernt hat. Schlagzeilen über Vertrauensverlust in Institutionen – sei es in Politik, Kirche oder Justiz –, über Korruptionsfälle oder die Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts, zeugen von einer inneren Verdorbenheit, die die einst glänzende „Zierde“ trübt und unbrauchbar zu machen droht. Die Weigerung, unbequeme Wahrheiten anzuhören und Kurs zu korrigieren, verstärkt diese Entwicklung. Mancherorts wird die Fähigkeit des Staates, grundlegende Aufgaben zu erfüllen, oder die Effektivität demokratischer Prozesse als „verdorben“ wahrgenommen, nicht mehr dienlich dem ursprünglichen Zweck.

Der Rausch der Weinkrüge (V. 12-14): Die Prophezeiung, dass alle Bewohner des Landes mit „Rausch“ erfüllt werden und sich gegenseitig zerschlagen, spiegelt die wachsende Polarisierung und die Unfähigkeit zum Dialog wider, die wir in Deutschland und Österreich erleben. Debatten um Klima, Migration, Wirtschaftspolitik oder soziale Gerechtigkeit eskalieren oft in einem Klima des gegenseitigen Misstrauens und der emotionalen Überhitzung. Politische Lager und gesellschaftliche Gruppen scheinen sich in einem kollektiven „Rausch“ der Empörung und Rechthaberei zu befinden, in dem rationale Argumente und Mitleid füreinander auf der Strecke bleiben. Schlagzeilen über „zerstrittene Ampel“, „Proteste spalten das Land“ oder „Hass im Netz“ sind Ausdruck dieser selbstzerstörerischen Dynamik, die keine Brücken baut, sondern Gräben vertieft. Die politische Führung, die „Könige und Priester“ von einst, ist in diesen Rausch eingebunden und scheint oft unfähig, eine einigende Stimme zu finden.

Die Unfähigkeit zur Umkehr (V. 15-17, 20-27): Jeremias verzweifelte Mahnung zur Demut und zur Umkehr, bevor „Dunkelheit“ und „Anstoß“ kommen, findet ihr Echo in Stimmen, die vor den Konsequenzen der aktuellen Entwicklung warnen. Doch die biblische Frage „Kann ein Kuschit seine Haut ändern oder ein Leopard seine Flecken? Dann könnt ihr, die ihr Böses gewohnt seid, Gutes tun?“ (V. 23) trifft auf die Beharrlichkeit bestimmter Verhaltensmuster. Die Unfähigkeit, sich von kurzfristigen Interessen, Ideologien oder dem Egoismus zu lösen, um langfristig Gutes zu bewirken, ist ein wiederkehrendes Thema. Skandale, die immer wieder die gleichen Missstände aufdecken, oder die Schwierigkeit, notwendige Reformen umzusetzen, weil alte Gewohnheiten und Machtstrukturen beibehalten werden, illustrieren diese tiefe Verwurzelung. Die „Schande“ und „Entblößung“ (V. 26) der Gesellschaft manifestiert sich in der Demaskierung von Heuchelei, dem Verlust von Glaubwürdigkeit und der schmerzhaften Erkenntnis, dass viele „Gräueltaten“ – moralischer, sozialer oder ökologischer Art – ungestraft bleiben oder nur zögerlich angegangen werden. Der Stolz, sich selbst als moralisch überlegen zu betrachten, hindert oft an der echten Reflexion und Umkehr, die Jeremia fordert.

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