Die aktuellen Schlagzeilen in Deutschland und Österreich sind oft geprägt von einer spürbaren Verunsicherung: Wirtschaftliche Turbulenzen, Fragen der Energieversorgung, gesellschaftliche Polarisierung, die Suche nach politischer Orientierung und der Umgang mit globalen Herausforderungen wie Klima und Migration. Es scheint, als ob viele Menschen und auch die Gesellschaft als Ganzes nach Lösungen, Stabilität und einem verlässlichen Fundament suchen, aber zunehmend desillusioniert werden von Antworten, die sich als unzureichend erweisen.
Der Bibelabschnitt 1. Samuel 7 erzählt von einer Zeit, in der das Volk Israel nach 20 Jahren der Niederlage und Unsicherheit – die Bundeslade war bei den Philistern gewesen und dann in Kirjath-Jearim – unter dem Eindruck ihrer Bedrängnis in sich ging. Samuel ruft das Volk auf, sich von den „fremden Göttern“ und „Astarten“ abzuwenden und „allein dem HERRN zu dienen“. Als sie dies tun und sich zu Mizpa versammeln, fürchtet Israel einen Angriff der Philister. Samuel opfert, bittet den HERRN und dieser greift mit Donnerwetter ein, stiftet Verwirrung unter den Philistern, und Israel erringt einen entscheidenden Sieg. Samuel setzt daraufhin einen Stein und nennt ihn „Eben-Ezer“, was „Stein der Hilfe“ bedeutet, mit den Worten: „Bis hierher hat uns der HERR geholfen.“
Der theologische Bezug zu den heutigen Nachrichten liegt in der Parallele zwischen den „fremden Göttern“ Israels und den „modernen Götzen“ unserer Zeit, an die sich die Gesellschaft klammert oder von denen sie ultimative Lösungen erwartet. So wie Israel sich an Baale und Astarten wandte, die Macht und Fruchtbarkeit versprachen, aber keine wahre Rettung brachten, so könnten heutige Gesellschaften ihre ultimative Hoffnung oft auf folgende „Götzen“ setzen:
Die heutige Verunsicherung in Deutschland und Österreich, gespiegelt in den Nachrichten, könnte als Symptom einer solchen „Götzendienst-Müdigkeit“ interpretiert werden. Viele der vermeintlichen „Lösungen“ haben nicht die versprochene umfassende Sicherheit oder den Frieden gebracht. Die Parallele zu 1. Sam. 7 ist Samuels Aufruf zur Umkehr und zur alleinigen Hinwendung zum HERRN. Für eine säkulare Gesellschaft mag dies nicht direkt eine religiöse Konversion bedeuten, aber theologisch könnte es als Aufruf verstanden werden, die Quellen der Hoffnung, des Vertrauens und der Sicherheit neu zu hinterfragen:
Der „Eben-Ezer“, der „Stein der Hilfe“, erinnert daran, dass wahre und nachhaltige Hilfe von einer Quelle kommt, die über die eigene menschliche Anstrengung hinausgeht. Er ist ein Gedenkstein für Gottes Eingreifen. In der heutigen Zeit könnte dies als theologische Mahnung verstanden werden, dass wir uns als Gesellschaft erinnern müssen, woher tatsächliche Hilfe und Orientierung kommen – nicht aus unseren selbstgemachten Systemen allein, sondern aus einem tieferen Verständnis von uns selbst, unserer Welt und den Prinzipien, die unser Zusammenleben tragen. Es ist die Anerkennung einer grundlegenden Abhängigkeit und die Suche nach einem Fundament, das über das Flüchtige und das Selbstgemachte hinausweist, um wieder zu echtem Frieden und Stabilität zu gelangen, ähnlich wie Israel es nach der Umkehr in 1. Samuel 7 erfahren hat.